Archive for the ‘lesen’ Category

Das Märchen von der Schlange, dem Pferd und der Spinne

Friday, March 29th, 2013

Feudale Verhältnisse, die 99 und das eine Prozent

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Gute Literatur bleibt aktuell, sie macht sich, wenn sie einmal geschrieben ist, auf dem Weg durch die Zeit. Am 21. März ist Chinua Achebe gestorben, der große nigerianische Schriftsteller. Achebe hat 2002 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen bekommen. Achebe schrieb in der Erfahrung von Tradition und Entkolonialisierung, europäisch und afrikanisch gebildet, aber immer unabhängig und widerständig. Beim Stöbern in meinen Büchern habe ich den Essay-Band “Ein Bild von Afrika” gefunden, der leider vergriffen ist. Die Texte des Buches befassen sich mit dem kolonialen Blick des Westens auf Afrika und die afrikanische Literatur. Achebes Denkweisen und Methoden eröffnen jedoch interessante Sichten auch auf unsere eigene Gesellschaft und deren aktuelle Entwicklung. (more…)

“Rufus, mein Freund, sag mir, was suchen wir eigentlich?”

Monday, March 11th, 2013

TitelbildIn Helon Habilas Roman “Öl auf Wasser” suchen Zaq und Rufus eine entführte Frau und den Entführer. Vor allem suchen sie die Geschichte dahinter und ihre höhere Bedeutung.

Der Tagesverbrauch der Welt an Erdöl war 2012 ca. 90 Millionen Barrel. Dies sind mehr als 14.250.000.000 Liter. 2,5 Millionen Barrel davon werden täglich in Nigeria gefördert. Öl schwimmt auf Wasser wegen seiner geringeren Dichte. Öl löst sich nicht in Wasser, weil Öl im Gegensatz zu Wasser aus unpolaren Molekülen besteht.

Im Nigerdelta wird seit über 50 Jahren Erdöl gefördert. In dieser Zeit wurde die natürliche Umwelt und der Lebensraum der Menschen in unvorstellbarem Ausmaß zerstört. Gleichzeitig haben die Ölkonzerne und die nigerianischen Eliten gigantische Gewinne gemacht. Helon Habila hat dazu einen Umwelt-Thriller ohne moralischen Zeigefinger geschrieben. (more…)

Ich komme aus dem Wasserland …

Sunday, February 10th, 2013

Titel Sisyphos… von Früchten überladen wie ein lachender Garten und Träume zieht mein Herz hinter sich her (Mein Land O, 1990)

Jemand kommt aus Geborgenheit und Fülle und wird ins Exil gezwungen. Gedanken über ein Buch: Muepu Muamba, Sisyphos im Lärm der Stille

Nach langer Zeit erscheint wieder eine Auswahl von Gedichte, Prosa und Interviews von und mit Muepu Muamba in deutscher Sprache. Geboren im Kongo-Kinshasa, lebt er seit der Zeit des Mobutu-Regimes im Exil, zuerst in afrikanischen Ländern, dann in Europa, derzeit in Frankfurt. Das Buch versammelt Texte aus den Jahren 1973 bis 2008, expressive Gedichte über Vertraut- und Fremdsein, Reflexionen über politische und gesellschaftliche Verhältnisse. Auf existenzielle Fragen sucht es Antworten in den Beziehungen zu anderen. (more…)

“In der Dunkelheit kann viel passieren, Bwana.”

Sunday, August 26th, 2012

“Und was?” – “Das weiss man, wenn es passiert, Bwana”

Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell ist durch seine Kriminalromane über den Kommissar Wallander bekannt geworden. Als profunder Kenner Afrikas hat er aber eine ganze Reihe spannender Bücher zu afrikanischen Themen geschrieben. Zu einem davon, “Die rote Antilope” habe ich hier schon geschrieben. Hier sei noch eines vorgestellt: (more…)

Das Problem, das heute den Horizont versperrt, ist die Notwendigkeit einer Neuverteilung der Reichtümer

Friday, July 20th, 2012

Kalenderblatt: Am 20. Juli 1925 wurde Frantz Fanon geboren

Frantz Fanon

Frantz Fanon

Manchmal ergeben sich beim Lesen älterer Texte überraschend Bezüge zu aktuellen Problemen. Frantz Fanon, der Verfasser von “Die Verdammten dieser Erde”, war ein wichtiger Theoretiker des Antikolonialismus. Grundlegend für seine Gedanken war die Erkenntnis, dass die Ideen der französischen Revolution nur sehr selektiv Geltung besassen. (more…)

We must thank Him who gave us the ability to use brains

Sunday, July 15th, 2012

Lesetipp: Nachhaltig wirkende Eindrücke von einem Literaturabend

Der Titel stammt aus einem Gedicht, das diesen Satz auf eine überraschende Weise interpretiert. “We Bomb” von Chirikure Chirikure zeigt, was Fortschritt häufig wirklich bedeutet und wie Sprache dazu dienen kann, unsere Wahrnehmung dieser Wirklichkeit zu täuschen. Der komplette Text findet sich auf der Webseite “What’s Poetry”; es bildete den explosiven Abschluss eines Literaturabends am 12. Juli 2012 im Prinz-Max-Palais. (more…)

Lesetipp – CSI: Ghana

Sunday, March 4th, 2012

Wenn man die Augen schließt, ist es weder Tag noch Nacht

Im ghanaischen Dorf Sonokrom ist ein Verbrechen geschehen. Was für eines, hängt von der Sichtweise des Ermittlers ab. Deshalb fällt es in diesem originellen Krimi dem Leser schwer, zu entscheiden, welche Sicht glaubhafter ist. Mancher könnte vom Ergebnis verblüfft sein:

Die Spur des Bienenfressers
Nii Parkes
Unionsverlag 2010
ISBN-10:3-293-20564-X (more…)

Über die Manipulation der Öffentlichkeit

Tuesday, February 8th, 2011

Wie Konzerne und Regierungen mit Hilfe der Medien heimlich und effizient das Denken der Menschen ihren Vorstellungen unterwerfen

Der amerikanische Wissenschaftler Noam Chomsky ist bekannt für sein politisches Engagement, mit dem er sich zu Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung, der Globalisierung oder der guten Regierungsführung zu Wort meldet. Von ihm soll eine Liste mit zehn Strategien stammen, die Öffentlichkeit über die Medien zu manipulieren. (more…)

“Wo sind die Götter?” – “Drinnen im Felsen …

Sunday, December 5th, 2010

… Ihre Stimmen sind das Herz, das im Körper der Antilope schlägt.”

Notizen zu einem Buch von Henning Mankell

Molo ist ein Junge im kolonialen Südafrika. Er lernt die Natur mit den Tieren, den Felsen, der Sonne kennen. Er lernt die Traditionen und Bezüge der Familie. Er lernt die Sprache, die Geräusche, das Wetter. Alles hat einen Sinn, einen Zusammenhang. (more…)

Die Welt ist schauderhaft, gut dass wir leben

Sunday, August 8th, 2010

Dieser Artikel handelt von einem Buch:
Hundezeiten
Patrice Nganang
Peter Hammer Verlag
ISBN 3-87294-940-3

Mbudjak erlebt die Welt “von unten”. Er lebt in Yaoundé in Kamerun, beobachtet das Leben im Slum “Madagascar” und erzählt von seinen Erlebnissen mit den anderen, die auch dort leben. Aber auch das sieht er “von unten”, denn er ist ein Hund. “Ich bin ein Hund. Wer, wenn nicht ich, könnte dies so demütig eingestehen? … Mit der Zeit habe ich gelernt, mich einzurichten in dem, was mir vom Schicksal vergönnt ist.”
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