Lesetipp – CSI: Ghana

Wenn man die Augen schließt, ist es weder Tag noch Nacht

Im ghanaischen Dorf Sonokrom ist ein Verbrechen geschehen. Was für eines, hängt von der Sichtweise des Ermittlers ab. Deshalb fällt es in diesem originellen Krimi dem Leser schwer, zu entscheiden, welche Sicht glaubhafter ist. Mancher könnte vom Ergebnis verblüfft sein:

Die Spur des Bienenfressers
Nii Parkes
Unionsverlag 2010
ISBN-10:3-293-20564-X

Kayo ist ein junger Mann der modernen Zeit, er leitet ein Labor für chemische Analysen in Accra. Er ist hoffnungslos überqualifiziert, denn er hat in Europa studiert und als Gerichtsmediziner gearbeitet. Die ghanaische Polizei hat scheinbar keinen Bedarf für sein Metier, denn sie löst ihre Fälle mit ihren eigenen Methoden. Eines Tages bekommt er einen Anruf, danach wird er mit eigenartigen Methoden für einen heiklen Auftrag verpflichtet. Im Dorf Sonokrom ist ein “Teufelszeug” gefunden worden, das er näher untersuchen soll, im “Stil von CSI”: Ein hoher Polizeioffizier erwartet sich von einer sensationellen Geschichte den entcheidenden Schub für seine Karriere. Kayo packt seinen Koffer mit Probengläsern, Reagenzien und Skalpellen. Er wird die Wahrheit suchen, aber welche?

Kwadwo kennt die Gebräuche des Dorflebens. Als er in Sonokrom ankommt, macht er gleich den Honoratioren die Aufwartung. Dann beginnt er mit den Ermittlungen. Opanyin Poku, der Jäger, ist eine wichtige Stütze. Er kennt alle Bewohner, sieht alles, hört alles. Er ist ein großer Geschichtenerzähler und für die Versorgung der Dorfkneipe mit Fleisch zuständig. Oduro, der Medizinmann, hat immer sein Zauberfläschchen dabei, mit dem der Palmwein in der Dorfkneipe ein wenig verschärft werden kann. Kwadwo sitzt mit beiden abends in Akosuas Bar, isst, trinkt und hört die Geschichten.

Kwadwo ist Kayo, er führt die Ermittlungen deshalb tagsüber im “Stil von CSI” am Tatort, abends beim Feiern in der Kneipe. Tagsüber hantiert er mit Laptop und UV-Lampe, nachts streift er durch den Wald auf der Suche nach dem geheimnnisvollen Xylophon. Kein Wunder, dass es am Ende zwei Wahrheiten gibt, die des modernen Ghana und die des traditionellen Dorflebens. Doch – wer verfügt über die “richtige” Wahrheit? Die Tests aus Kayos Koffer oder die Tinktur im Palmwein? Oder haben die bunten Vögel alles genau gesehen?

Nii Parkers hat eine witzige und spannende Geschichte über eine afrikanische Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne erzählt. Mehr über den Autor findet man hier: http://www.niiparkes.com

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