Notizen zur Lage: Kettenverträge für Vertretungslehrer

Aller Jahre wieder zu den Sommerferien wiederholt sich das Spiel: An unseren Schulen werden Lehrer mit Zeitverträgen, die für Vertretungen angestellt wurden, in die Arbeitslosigkeit geschickt und zum Schuljahresbeginn mit neuen Verträgen wieder verpflichtet. Jedes Jahr protestieren Betroffene, Oppostionsparteien und Verbände, die Zeitungen berichten. Baden-Württemberg übt diese Praxis besonders hartnäckig. Die grüne Basis ist aktiv geworden. Eine Legislatur lang hat sich nichts bewegt. Das Geld fehlt. Die Roten blockieren. Liegt es am Wetter? Nur, weil die Wirtschaft es tut, ist es auch für den öffenztlichen Arbeitgeber in Ordnung? Ich habe noch einmal einen Brief geschrieben.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Mitglieder der Landesregierung, sehr geehrte Landtagsabgeordnete! Liebe weitere, an den Themen Soziales und Bildung interessierte Empfänger!

Bezug meines Schreibens ist der Zeitungsartikel unter folgender Adresse:

http://www.rnz.de/politik/suedwest_artikel,-Lehrer-fuerchten-unbezahlte-Sommerpause-_arid,203019.html

Nicht zum ersten Mal schreibe ich in dieser Angelegenheit: Wieder geht ein Schuljahr zu Ende und wieder werden in Baden-Württemberg junge Lehrer für die Sommerzeit arbeitslos. Betroffen sind wie jedes Jahr Vertretungslehrer, deren Verträge auslaufen und Studienreferendare, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben. In der Regel erhalten die Vertretungslehrer zum Schuljahresbeginn neue Verträge und die Referendare treten ihre erste Stelle an. In der Zwischenzeit sind sie arbeitslos und häufig auch ohne Einkommen. Das ist ein kleines Problem für ein Land wie Baden-Württemberg, aber es besteht schon lange und es ist vor allem für Lehrer mit Zeitverträgen ein Ärgernis.

Wie jedes Jahr, wird es auch dieses Jahr völlig folgenlos bleiben, wenn ein Verband wie die GEW oder Bürger wie ich auf diesen Missstand aufmerksam machen. Wieder werden Aufforderungen und Appelle nichts bewirken. Ale Parteien fordern in der Opposition, den Zustand zu beenden, finden aber prompt keine Möglichkeit dazu, wenn sie selbst regieren. Die fehlenden 25 Millionen ließen sich wohl auftreiben, wenn man nur wollte. Damit könnte man allerdings keine Leuchtturmprojekte finanzieren und die Zahl der Wählerstimmen, auf die man schielen könnte, würden sich in Grenzen halten.

Also gewöhnt man sich als Bürger daran, dass der Einzelne im Zweifel wenig zählt und dass soziale Belange nicht nur bei CDU und FDP, sondern auch bei Grünen und SPD keinen besonderen Stellenwert haben. Dass aber der Ministerpräsident persönlich es völlig normal findet, dass die Landesregierung jährlich angestellte Lehrer auf die Strasse setzt um sie nach 6 Wochen wieder mit einem neuen Zeitvertrag einzustellen, das hat mich doch schwer enttäuscht (Zitat: “Diese Unerfreulichkeit hat jeder andere Mensch auf dem Arbeitsmarkt auch”). Wie nebensächlich müssen einem Politiker die Probleme seiner Bürger eigentlich vorkommen, wenn er sie so läppisch abtut? Da macht sich der grüne Ministerpräsident eines der reichen Bundesländer zum Propagandisten einer schäbigen Praxis des kapitalistischen Arbeitsmarkts. Alle Lippenbekenntnisse zur Bedeutung des Berufsfelds Bildung kann man vergessen, wenn einerseits immer neue Belastungen aufgetürmt werden, aber andererseits nicht die Bereitschaft besteht, die einfachsten Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

Ich danke Ihnen allen fürs Kenntnisnehmen meines Schreibens und dafür, dass Sie mal wieder mitgeholfen haben, dass bei einem wenn auch kleinen Teil der Bürgerschaft die Politikverdrossenheit wieder ein wenig zugenommen hat und grüße Sie

Hartmut Rieg

Letzte Bearbeitung: 01.07.2016

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