seit einiger Zeit wird in der Umgebung von Karlsruhe über die Tätigkeiten des Instituts für “Transurane” diskutiert. Unter anderem ging es um die Forschungen zur “Transmutation”, zu der sich die BürgerInnen Gedanken machen. Am 7.11. brachte die Tageszeitung einen Leserbrief dazu mit der Überschrift “Kein Grund zur Aufregung”.
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Ich finde, dass wir sehr wohl Grund haben, uns ernste Gedanken zu machen. Wir sollten uns nicht von Ihnen und Ihrer Propaganda einlullen lassen und etwas anderes ist dieser Brief nicht. Hier ist meine Antwort, die am 11.11. abgedruckt wurde.
Sehr geehrter Herr B., sehr geehrte Damen und Herren von der Redaktion,
unter den heutigen Leserbriefen fand ich den Brief von Herrn B. mit der oben genannten Überschrift. Dazu möchte ich einige Anmerkungen machen. Es geht um Bedenken gegenüber der Technik der “Transmutation”, vermutlich weil dazu im Institut
für Transurane geforscht wird. Herr B. sieht darin einen Weg, in naher Zukunft das Problem der Atommüll-Entsorgung zu entschärfen, gar zu lösen.
Wenn man ein wenig nachdenkt, sieht man aber, dass die Sache nicht ganz so einfach sein kann. Zunächst braucht man eine Wiederaufbereitungsanlage, in der man das radioaktive Material zu Brennelementen für den Rubbia-Prozess verarbeiten kann. Dieser
fläuftt in einem Reaktor ab, der die Kernumwandlungen ermöglicht. Dabei findet zwar keine sich selbst tragende Kernumwandlung statt, aber hochkomplexe, schwer zu steuernde Abläufe, die auch nicht ungefährlich sind. Es entstehen Stoffe, die vor einer
Endlagerung ebenfalls wieder aufbereitet werden müssen. Der Verdacht, dass bei der Entwicklung dieser Technik ein Bezug zu den sog. Reaktoren der 4. Generation besteht, liegt nahe, sonst würde sich Forschung und Entwicklung für die Wirtschaft kaum lohnen.
Dafür spricht auch, dass die grundlegenden Ideen der Transmutation seit vielen Jahren bekannt sind, die Forschung bisher aber nicht intensiv, jedenfalls anscheinend nicht mit verwertbaren Ergebnissen betrieben wurde.
Der Reaktor erzeugt zwar Strom, verbraucht aber einen großen Teil für sich selbst. Das bedeutet, dass enorme Kosten für Forschung und Betrieb entstehen werden, die die Staaten – nicht etwa die Energiekonzerne – bezahlen werden. Während man die AKWs
abschaltet, baut man eine neue Infrastruktur aus technischen Einrichtungen auf, die nicht weniger gefährdet ist von Unfällen, Anschlägen oder Naturkatastrophen. Man muss die Frage stellen, ob man damit wirklich etwas gewinnt, zumal gar nicht klar ist, welchen Teil des langfristig strahlenden Atommülls man damit wird umwandeln können. Es wird jede Menge Abfall für sehr lange Zeit liegenbleiben.
Ich bin jedenfalls dagegen, die Folgen und Rückstände einer zentralistischen Großtechnologie dadurch beseitigen zu wollen, dass man eine andere zentralistische Großtechnologie entwickelt, deren Folgen und Risiken womöglich genauso groß sind und
die riesige Mengen an Ressourcen aufbraucht, die wir für kleine lokale Lösungen noch gut gebrauchen könnten. Wer wird eine solche Anlage versichern wollen? Niemand wird die Prämie bezahlen können. Die Folgen eines Unfalls zahlen wir alle. Man muss
übrigens auch sehen, welche Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung großtechnische Lösungen (Kohlekraftwerke, Tagebaue, CCS, Atomkraft, Wiederaufbereitung usw. usf.) in der Bevölkerung jetzt schon haben.
All das muss man berücksichtigen, wenn man ein solches scheinbares Wundermittel der Technik beurteilen will. Will man sich dazu kundig machen, muss man übrigens im Netz darauf achten, nicht nur die mühsam getarnten Webseiten der Kernkraft-Lobby zu lesen,
sondern auch kritische Stimmen. Ich würde Ihnen, Herr B., und der Redaktion jedenfalls nicht nur die Propaganda der Firmen (des eigenen Arbeitgebers?), sondern auch solche Stimmen empfehlen zu lesen wie diese:
http://www.nachhaltigkeit.org/201011226088/kolumne/kolumne/atommuell-entschaerfen
http://www.contratom.de/hintergrund/entsorgung/atommull-transmutation-%E2%80%93-teuer-ungewiss-und-gefahrlich/
Mit freundlichen Grüßen
Hartmut Rieg
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