Sehr geehrter Herr Brüderle,

“Wer alles haben will, sagt den anderen, sie sollen zufrieden sein”, sagt man in Uganda. Sie spielen das Spiel derer, die alles haben wollen. Ich lasse mich aber nicht gerne von Ihnen für dumm verkaufen.

Da lassen Sie für viel Geld, das der Steuerzahler der FDP-Bundestagsfraktion zur Verfügung stellt, einen Flyer drucken, der Parteiwerbung für die FDP macht. Den schicken Sie uns Bürgern zusammen mit einem regierungsoffiziell aussehenden Brief, in dem Sie wieder einmal versuchen, uns weiszumachen, wir hätten eine reine Staatsschuldenkrise, weil wir viel zu lange über unsere Verhältnisse gelebt haben. Herr Brüderle, ich hoffe, dass immer mehr Bürger beginnen zu begreifen, dass unsere Regierung uns mit dieser Behauptung an der Nase herumführt. Ich habe Ihren Flyer gelesen und habe Fragen dazu: Wessen Geld ist es für das Sie kämpfen? Wem wird Ihr Einsatz Wachstum bescheren? Wer profitiert von der Art Freiheit, die Sie vertreten?

Wer hat für die Rettung der Banken viele Milliarden ausgegeben und dafür zusätzliche Schulden gemacht? Sie habens gemacht (oder die Politik der Vorgänger fortgesetzt).

Wer hats gemacht, dass immer mehr Menschen in Deutschland nicht mehr von ihrem sauer verdienten Lohn leben können? Wer hats gemacht, dass immer mehr Kindern in diesem Land zunehmende Armut die Lebenschancen beschneidet?

Wer hats gemacht, dass die Staatsschulden jede Sekunde um 2500 Euro ansteigen, obwohl Sie den einfachen Leuten mit Sparmassnahmen die Luft nehmen? Wer hats gemacht, dass gleichzeitig die Vermögen in Deutschland netto um 6500 Euro je Sekunde ansteigen – natürlich nur bei denen, die Vermögen haben?

Sie habens gemacht (oder die Politik der Vorgänger fortgesetzt). Die Politik Ihrer neoliberalen Freunde hats gemacht, dass immer mehr unserer Mitbürger mit Schrecken nach Südeuropa schauen und die dort auf Ihr Betreiben aufgezwungene Verarmungspolitik sehen, deren Verwüstungen dabei sind, von den Rändern Europas immer weiter ins Zentrum vorzudringen. Sie habens gemacht und Ihre Einflüsterer aus der Finanzwirtschaft, die Ihnen und uns die immer gleiche Mär von der Alternativlosigkeit erzählen.

Ich schreibe Ihnen gerne noch einen Brief über die Folgen der neoliberalen Wirtschaftsideologie für die Länder des Südens. Der Dialog mit den Menschen der Länder Afrikas hat mich gelehrt, von unseren Politikern wieder eine Vorstellung von Gerechtigkeit und Solidarität einzufordern, die allen ein friedliches und auskömmliches Zusammenleben ermöglicht. Sie, Ihre Partei und Regierung können diese Forderung nicht erfüllen.

Deshalb schicke ich Ihnen hiermit Ihren Brief zurück in der Erwartung, dass es der letzte ist, den ich von Ihresgleichen bekommen habe, und dass bald der überfällige Wandel in diesem Land beginnt.

Dazu auch:
Artikel der Badischen Zeitung
Die Schuldenuhr
und ihr Betreiber

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