Ich komme aus dem Wasserland …

Titel Sisyphos… von Früchten überladen wie ein lachender Garten und Träume zieht mein Herz hinter sich her (Mein Land O, 1990)

Jemand kommt aus Geborgenheit und Fülle und wird ins Exil gezwungen. Gedanken über ein Buch: Muepu Muamba, Sisyphos im Lärm der Stille

Nach langer Zeit erscheint wieder eine Auswahl von Gedichte, Prosa und Interviews von und mit Muepu Muamba in deutscher Sprache. Geboren im Kongo-Kinshasa, lebt er seit der Zeit des Mobutu-Regimes im Exil, zuerst in afrikanischen Ländern, dann in Europa, derzeit in Frankfurt. Das Buch versammelt Texte aus den Jahren 1973 bis 2008, expressive Gedichte über Vertraut- und Fremdsein, Reflexionen über politische und gesellschaftliche Verhältnisse. Auf existenzielle Fragen sucht es Antworten in den Beziehungen zu anderen.

Gekommen war ich / an die Ufer der Seine / ein Lächeln von einem Freund zu borgen

Es ist ein weiter Weg vom Ruwenzori über viele Stationen bis an den Main. Was erhofft man sich von der Reise, was erwartet einen dort? Kann man irgendwann sagen, man sei angekommen? Da ist die Reaktion des Staates, der Behörden gegenüber dem Fremden: Man ist “Aktenzeichen in einem Dossier”. Die Anonymität wird als “Terror der Leere” empfunden. Wie kann man da den Schmerz “derer da unten” und den eigenen Schmerz kundtun? Es ist die Begegnung mit den Menschen, die einem die Zuversicht gibt: Wer Sinn für die eigene Würde hat, respektiert die Würde des anderen. Muepu gebraucht das Bild der Liane als Brücke über die Leere zwischen den Ufern. Er spricht die Einladung aus zu einem “neuen Bündnis Seite an Seite”.

Nur die Achtung in den Blicken ist es die den Nährboden schafft der das Segel allen Friedens spannt der im Menschen wurzelt (Dieser Name Mensch, 1992)

Ein anderer Teil der Texte handelt von Wut und Empörung: Er spricht über die fortdauernde neokoloniale Machtpolitik der “entwickelten” Staaten, die die räuberische Ausbeutung durch die internationalen Konzerne fördern. Er benennt auch die Heuchelei der “Eliten” des Nordens, die von Menschenrechten und Freiheit reden, aber Bereicherung und Spekulation meinen, oder die Lügen der afrikanischen Führer, die sich zu Lakaien der Politiker und Konzerne des Nordens erniedrigen, um sich und ihre Klientel ungestört selbst bereichern zu können.

Die Shells haben wieder einen Dichter ermordet / und die Welt schweigt teilnahmslos / Sie haben ihn im Petrodollar-Dreck ersaufen lassen / und die Welt schaut weg (Jahrmarkt der verlogenen Schweine, 1995 für Ken Saro-Wiwa)

Die Konsequenz aus der Erfahrung von äusserster Gewalt und Verkommenheit ist jedoch nicht die verzweifelte Aufgabe, sondern das unbedingte Festhalten an Menschenwürde und Brüderlichkeit, und daraus folgt die Pflicht, zu Unrecht und Straflosigkeit nicht zu schweigen: Den Völkern in Gefahr / nicht gewährter Beistand / wird als unsühnbares Verbrechen gelten

Sisyphos im Lärm der Stille
Muepu Muamba
ISBN 978-3-937603-66-7
Draupadi Verlag
Hrg. Barbara Höhfeld
Mit einem Brief von Patrice Nganang

Links zum Autor:
Ein Text: Der Lohn der Straflosigkeit
Verein dialog international
Faust-Kultur: Hör- und Leseproben

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